Peter Kneip startet beim
Ironman in Hawaii
Ahrweiler
Triathlet qualifizerte sich bei seinem 10. Start in Roth zum 4. Mal für das
Mekka der Triathleten
Roth: Es ist Sonntagmorgen kurz vor sechs Uhr am Main-Donau-Kanal im Landkreis Roth in Franken. Wo sonst um diese Zeit beschauliche Stille herrscht, ist am 8.Juli die Hölle los. Die rund 2.700 Starter beim weltweit grössten Ironman präparieren ihre Rennmaschinen und schlüpfen anschliessend in den Neoprenanzug, um die Herausforderung von 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und einem Marathonlauf von 42,2 km auf sich zu nehmen. Verfolgt wir das Ganze bereits um diese Uhrzeit von Zehntausenden von Zuschauern.
Mit
dabei auch Peter Kneip aus Ahrweiler bei seinem mittlerweile 10. Start beim
Ironman Europe. Er weiss, dass es heute extrem schwierig wird, sich erneut für
das Mekka des Triathlons, den Ironman Hawaii zu qualifizieren. Denn dem
Veranstalter wurden seitens des Weltverbandes rund 40 % der bisher in Roth
vergebenen Qualifikationsplätze gestrichen. Aber das Training und die
Vorbereitungswettkämpfe sind optimal gelaufen. Leider spielt mal wieder das
Wetter nicht so wie gewünscht mit. Graue Regenwolken und kühle Temparaturen
lassen nichts Gutes erahnen.
Der Startschuss fällt und Kneip sichert sich beim
Schwimmen gleich eine gute Ausgangsposition im Vorderfeld seiner Startgruppe.
Er findet schnell einen guten Rhythmus und merkt schon am Wendepunkt bei 1,9 km
im 21 Grad warmen Kanal, dass es heute läuft. Mit gleichmäßigen Kraulzügen
bringt er die Auftaktdisziplin hinter sich und steigt nach 57:03 Minuten aus
dem Wasser, nur wenige Sekunden über seiner persönlichen Bestzeit aus dem Jahr
1997. Ein schneller Wechsel aufs Rad und das Zeitfahren über 180 km kann
beginnen. Zu Beginn kommt gleich die kalte Dusche von oben in Form einer
heftigen Schauer. Dann hört der Regen zum Glück auf, aber neben den frischen
Temperaturen macht nun vor allem der Wind den Teilnehmern zu schaffen. Mit
zunehmender Renndauer wird dieser immer stärker und erreicht für Rother
Verhältnisse eine bis dahin nicht dagewesene Intensität. „So was habe ich hier
in den vergangenen 10 Jahren noch nie erlebt“,
Peter Kneip später zu der Presse. Alle Starter quälen sich über die 2
grossen Runden im Landkreis Roth, die mit jeweils 3 Anstiegen zwischen 8 und
10% sowie mehreren kleineren Hügeln gewürzt sind. Die Zeiten leiden natürlich
unter den äusseren Bedingungen und so mancher Teilnehmer verabschiedet sich zu
diesem Zeitpunkt vom Gedanken an eine Bestzeit.
„Spätestens in der 2. Radrunde war klar, dass die
Zeiten heute langsam sein würden und es in erster Linie um eine gute
Platzierung geht“ ist sich auch Kneip über den Rennverlauf bewusst. Trotzdem zeigt er auf dem Rad eine
aussergewöhnlich gute Vorstellung, so dass die Zeitnahme mit 5:11:55 Std. ein
unter den Bedingungen erstaunliches Resultat ausweist. Das entspricht einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 35 km/h für die 180 km. Wiederum ein
schneller Wechsel und schon steht Peter Kneip in den Laufschuhen, um den
Marathon in Angriff zu nehmen. Auf den ersten Kilometern wird bereits klar,
wieviel Kraft das Radfahren gekostet hat und dass die 42 Laufkilometer das
Letzte abverlangen werden. Trotz kontrolliertem Anfangstempo stellt sich ab
Kilometer 18 ein körperlicher Durchhänger ein, der Kneip sogar zu einer kurzen
Gehpause zwingt. Doch ein von Betreuer Michael Bernads gereichtes
Kohlehydrat-Getränk bei Kilometer 26 hilft wieder aus dem Tief und lässt Kneip
wieder einen guten Laufrhythmus finden und das trotz erneuter Regenschauer und
Windböen.
„Das war höchste Zeit, denn an dem Punkt ging es mir
wirklich schlecht“, meint Kneip zu der wichtigen Verpflegungsstelle. Die
Begeisterung der vielen Zuschauer und das Gefühl noch sehr gut im Rennen zu
liegen tun jetzt ein Übriges. Die letzten 4 Kilometer vom Main-Donau-Kanal
zurück nach Roth laufen dann sogar richtig schnell. Unter dem Jubel der vielen
tausend Zuschauer im Zielbereich am Rother Festplatz finisht Peter Kneip nach
einer 3:36:32 Std. im Marathon das Rennen mit einer Gesamtzeit von 9:49:17 Std.
Zu diesem Zeitpunkt sind erst gut 5 % aller Starter im Ziel, so dass am Ende
Platz 159 unter den 2700 Startern herausspringt. Und das in einem überaus stark besetzten internationalen
Topfeld mit zahlreichen Profis. „Noch überraschter war ich, als ich die Platzierung
innerhalb meiner Altersklasse M 35 gesehen habe“ schildert Kneip seine Begeisterung, „dort konnte ich den 26.
Platz von über 650 Teilnehmern belegen.“ Und damit war klar, dass es trotz
reduzierter Anzahl der Hawaii-Startplätze wiederum zu einer Qualifikation für
die dortige Ironman-WM gereicht hat.
Am 6. Oktober ist es soweit. Dann wird Peter Kneip
zusammen mit 1500 anderen Athleten aus aller Welt die legendäre Strecke auf der
Pazifik-Insel nun schon zum vierten Mal in Angriff nehmen. Dass Sport nicht
immer nur aus Rivalität besteht, zeigte sich in Roth auch in der Tatsache, dass
eine Fangruppe des Nachbarvereins TuS Ahrweiler den für das Tri Team Sinzig
startenden Ausdauersportler über die gesamte Distanz lautstark anfeuerte.
Ebenfall für das Tri Team Sinzig waren an diesem Tag noch 3 weitere Athleten im Rennen. Michael Robert und Rainer Breuer aus Insul sowie Marius Bode aus Remagen. Auch diese drei legten ein unter den schwierigen Bedingungen gutes Rennen hin. Vor allem Robert stach hier mit konstant guten Leistungen in allen 3 Disziplinen hervor und verfehlte im Ziel die 10 Stundenmarke mit 10:02:01 Std.(S-1:09:59Std. / R-5:24:13Std. / L-3:32:25Std) nur knapp. Breuer finishte das Rennen trotz nicht zufriedenstellendem Auftakt im Wasser nach ordentlicher Rad- und Laufleistung in 10:20:52 Std. (S-1:16:17Std. / R – 5:25:10Std. / L – 3:35:26Std.) Marius Bode schliesslich war nach 11:11:01 Std. (S – 1:09:51 / R – 5:29: 58Std. / L – 4:28:05 Std.)im Ziel und konnte vor allem auf eine respektable Radzeit zurückblicken.
Bildunterschrift 1:
Peter Kneip aus Ahrweiler, hier beim Wechsel zum Schwimmen, schafft zum 4. Mal die Qualifikation für Hawaii
Bildunterschrift 2:
Ironman-Finisher vom TriTeam Sinzig Marius Bode, Remagen, beim abschließendem Marathon